Die musikalischen Wurzeln des Vereins reichen bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Bereits vor 1800 ist in Garbeck eine organisierte Musikpflege nachweisbar. Ausgangspunkt war vermutlich der Lehrer Caspar Theodor Springob in Verbindung mit der Adelsfamilie von Mengede. Die Musik wurde zunächst als Streichmusik betrieben und innerhalb einzelner Familien – insbesondere der Familie Stüken – über Generationen weitergegeben. Musik war von Anfang an Teil des dörflichen Alltags und gesellschaftlicher Ereignisse.
Im 19. Jahrhundert vollzog sich schrittweise der Wandel von der Streich- zur Blasmusik. Die Garbecker Musik entwickelte sich zu einer gefragten Kapelle für Feste, Tanzveranstaltungen und kirchliche Anlässe in der Region. Prägend war diese Zeit durch starke musikalische Persönlichkeiten, allen voran Bernhard Pingel, unter dessen Leitung sich der Verein musikalisch und organisatorisch festigte. Die Musik genoss hohes Ansehen weit über die Dorfgrenzen hinaus.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trug der Verein offiziell den Namen „Amicitia“. Gesang- und Musikabteilung bildeten zunächst eine gemeinsame Einheit. Das Vereinsleben war geprägt von Konzerten, Theateraufführungen und festlichen Veranstaltungen. Die zunehmende Eigenständigkeit der Musiker führte 1922 zur organisatorischen Trennung in einen Männergesangverein und einen eigenständigen Musikverein – ein wichtiger Schritt in der Vereinsgeschichte.
Nach der Trennung entwickelte sich der Musikverein Amicitia organisatorisch eigenständig weiter. Diese Jahre waren geprägt von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Inflation und begrenzten finanziellen Mitteln. Dennoch hielt der Verein seinen musikalischen Betrieb aufrecht und setzte verstärkt auf konzertante Blasmusik. Ein Höhepunkt dieser Epoche war die Feier des 140-jährigen Bestehens im Jahr 1936, die den starken Zusammenhalt des Vereins unterstrich.
Der Zweite Weltkrieg brachte tiefe Einschnitte in das Vereinsleben. Viele Musiker wurden zum Kriegsdienst eingezogen, einige kehrten nicht zurück. Trotz dieser schweren Zeit blieb der Verein, soweit möglich, aktiv und begleitete weiterhin kirchliche Anlässe und Beerdigungen. Kameradschaft und Pflichtbewusstsein hielten den Musikverein auch unter widrigsten Umständen zusammen.
Unmittelbar nach Kriegsende begann der Wiederaufbau des Musikvereins. Unter der Leitung von Hans Weber formierte sich schnell ein neues Orchester, getragen von großem Engagement und starkem Nachwuchs. Trotz fehlender Instrumente und knapper Mittel gelang es, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen und zahlreiche öffentliche Auftritte zu absolvieren. Das 150-jährige Jubiläum im Jahr 1947 wurde zum Symbol des erfolgreichen Neuanfangs.
Nach dem Wiederaufbau entwickelte sich der Musikverein Amicitia zu einem stabilen und leistungsfähigen Blasorchester. Regelmäßige Proben, zahlreiche Auftritte bei Schützenfesten, kirchlichen Anlässen und Konzerten prägten das Vereinsleben. Gleichzeitig vollzog sich ein schrittweiser Generationenwechsel: Junge Musiker wuchsen in tragende Rollen hinein und sicherten den Fortbestand des Orchesters. Kameradschaft, Disziplin und musikalischer Anspruch bestimmten diese Phase.
In den folgenden Jahrzehnten erweiterte der Musikverein kontinuierlich sein Repertoire und seine Besetzung. Neben traditioneller Marsch- und Festmusik gewann die konzertante Blasmusik zunehmend an Bedeutung. Der Verein festigte seinen Ruf als leistungsstarkes Orchester in der Region und blieb gleichzeitig tief im örtlichen Vereins- und Dorfleben verwurzelt. Jubiläen, Freundschaftsauftritte und gemeinsame Veranstaltungen prägten diese Zeit.
Die frühen 1990er Jahre standen im Zeichen der Vorbereitung auf ein außergewöhnliches Jubiläum. Die lange, nahezu durchgängige Vereinsgeschichte wurde intensiv aufgearbeitet und bewusst gepflegt. Der Musikverein verstand sich zunehmend auch als kultureller Träger der Ortsgeschichte und seiner musikalischen Tradition.
Mit der Feier des 200-jährigen Bestehens erreichte der Verein einen historischen Höhepunkt. Konzerte, Festveranstaltungen und eine breite öffentliche Resonanz würdigten die außergewöhnliche Kontinuität des Musikvereins. Dieses Jubiläum unterstrich eindrucksvoll den Stellenwert der Amicitia als einer der traditionsreichsten Musikvereine der Region.
Nach dem Jubiläum richtete sich der Blick verstärkt in die Zukunft. Nachwuchsarbeit, zeitgemäße Organisation und verbesserte Probenbedingungen rückten in den Fokus. Ein wichtiger Meilenstein war die Realisierung eines eigenen Musikerheims, das dem Verein neue Möglichkeiten für Proben, Ausbildung und Gemeinschaft eröffnete. Die Zusammenarbeit mit anderen örtlichen Vereinen wurde intensiviert und das Vereinsleben weiter modernisiert.
Bis 2006 blickt der Musikverein Amicitia auf eine über zwei Jahrhunderte gewachsene Geschichte zurück. Geprägt von Tradition, Zusammenhalt und musikalischem Engagement verbindet der Verein sein historisches Erbe mit zeitgemäßer Vereinsarbeit – als fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Garbeck und der Region.